


Die Deutsche Krebshilfe wird gegründet
Mitte der siebziger Jahre in Deutschland: Die Behandlung Krebskranker ist alles andere als vorbildlich. Auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung liegt die Bundesrepublik weit hinter anderen Ländern zurück. Mit Messer und Strahlen versucht man, die Krankheit zu bekämpfen. Doch die Heilungschancen stagnieren, niemand fühlt sich für eine Verbesserung der Versorgung krebskranker Menschen wirklich zuständig.
Um diesen Missstand zu beheben, gründet sich am 25. September 1974 der gemeinnützige Verein „Deutsche Krebshilfe“. Damit wird die Vision einer willensstarken Frau Wirklichkeit: Dr. Mildred Scheel, Gattin des Bundespräsidenten Walter Scheel, will als Medizinerin schon lange etwas gegen die Krebskrankheiten tun. Als Röntgenologin hat sie das Leiden der Menschen hautnah miterlebt. Der Wunsch, den Betroffenen zu helfen, hat sie immer begleitet.
Nachdem ihr Mann zum Bundespräsidenten gewählt wurde, hat Mildred Scheel die Chance, ihre Vision zu realisieren. Wie ihre Vorgängerinnen ist sie als „First Lady“. auf der Suche nach einer gemeinnützigen Aufgabe, die sie neben ihren anderen Pflichten als Präsidentengattin ehrenamtlich ausüben will. Friedrich-Ludwig Müller, enger Berater Walter Scheels, erinnert sich an die Monate intensiver Planung: „Zunächst hat Hildegard Hamm-Brücher, damalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, den Vorschlag gemacht, Mildred Scheel solle sich im Vorstand von „Terre des Hommes“, dem entwicklungspolitischen Kinderhilfswerk, engagieren.“ Ein naheliegender Plan, da Mildred und Walter Scheel während einer Bolivienreise ein indianisches Waisenkind, ihren Sohn Simon Martin, adoptiert hatten. Noch naheliegender aber ist die Idee, sich für die Krebsbekämpfung einzusetzen. „Mildred Scheel war begeistert“, sagt Friedrich-Ludwig Müller. Denn dies entspricht genau ihrem Lebensziel. Sie führt zunächst Gespräche mit der Deutschen Krebsgesellschaft. Doch Mildred Scheel will unbedingt etwas Eigenes aufbauen.
Eine neue Organisation, die Deutsche Krebshilfe, ist die Lösung. Mildred Scheel kann es nicht schnell genug gehen. Sie lässt eine Satzung verfassen; sieben engagierte Persönlichkeiten zur Vereinsgründung finden sich rasch. Am 25. September 1974 ist es so weit: die Gründungsversammlung findet im Haus des Bundespräsidenten, Adenauerallee 135 in Bonn statt. Dabei sind: Dr. Mildred Scheel, Dr. Helmut Geiger, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Detlef Kühn, Präsident des Gesamtdeutschen Instituts, Bechthold Freiherr von Massenbach, Dresdner Bank, Friedrich-Ludwig Müller, Journalist, Professor Dr. Hermann Schardt, Folgwang-Hochschule Essen, Heinz Schmidt, Daimler-Benz AG, und Martin Virchow, Journalist. Die Deutsche Krebshilfe wird aus der Taufe gehoben.
„Dieser Tag war der Start einer Erfolgsgeschichte, die einmalig ist“, sagt Walter Scheel rund 30 Jahre später. Das Protokoll der Gründungsversammlung hält die Ziele und Aufgaben der Deutschen Krebshilfe fest: Zweck des Vereins ist es, Spenden zu sammeln und sie zur Krebsbekämpfung einzusetzen. Das Thema Krebs soll aus der Tabu-Zone geholt, die Öffentlichkeit alarmiert werden. Früherkennung und Vorsorge sollen die erste Phase der Aktivitäten bestimmen. „Ziel unserer Bemühungen in diesem Bereich muss es sein, die Chancengleichheit für alle bei der Krebs-Früherkennung sicherzustellen. Für den Patienten, ganz gleich wo er lebt und aus welcher sozialen Schicht er kommt, müssen alle technischen und medizinischen Möglichkeiten voll verfügbar sein“, heißt es schwarz auf weiß. Als Vorbild dienen die USA, die Deutschland auf dem Gebiet der Krebsbekämpfung weit voraus sind.